Julia Schoch liest aus Schöne Seelen und Komplizen, erschienen im Piper Verlag.

Textprobe

An dem Tag, einem Dienstag im Dezember, war ich zu Gast im Kulturhaus einer norddeutschen Stadt, wo ich aus meinem neuen Roman vorlas. Nach der Veranstaltung trat eine Frau zu mir an den Tisch, an dem ich noch sitzengeblieben war, um das ein oder andere Buch zu signieren. Sie schob mir ihr Exemplar hin. Während ich mich darüber beugte und meinen Namenszug hineinzuschreiben begann, sagte sie:
Wir haben übrigens denselben Vater.
In meiner Erinnerung bricht mir bei diesem Satz der Füller aus. Die Feder entgleist, und es entsteht eine lange, tiefe Linie auf dem Papier. Eine Linie des Schocks. Als wäre ich mitten in der Unterschrift von einer tödlichen Kugel getroffen worden.
In Wirklichkeit – und zu meiner eigenen Verblüffung, wie ich später oft dachte, ja im Grunde bis heute denke – sprang ich sofort auf und fiel der wildfremden Frau schluchzend um den Hals.

Julia Schoch wurde in Bad Saarow geboren und wuchs in Mecklenburg auf. Sie studierte Romanistik und Germanistik in Potsdam, Montpellier und Bukarest. Sie war Mitarbeiterin am Institut für Romanistik der Universität Potsdam und arbeitet seit 2003 als freie Autorin und Übersetzerin. Julia Schoch ist auch als Dozentin für kreatives Schreiben u.a. am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und dem Literaturhaus München tätig.

Bibliographie

Veröffentlichungen (Bücher)

Demn.: Schwestern. (AT) Hamburg/ Rowohlt 2022
Fontaneske – Einmal so schreiben, so reisen: als ginge es um nichts. Potsdam 2019
Schöne Seelen und Komplizen (Roman) München/ Piper 2018
Selbstporträt mit Bonaparte (Roman) München/ Piper 2012
Mit der Geschwindigkeit des Sommers (Roman) München/ Piper 2009
(nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse)
Steltz & Brezoianu – Ein Mosaik für Leidenschaftliche (Kurzprosa) edition Azur 2007
Verabredungen mit Mattok. (Novelle) München/ Piper 2004
Der Körper des Salamanders. (Erzählband) München/ Piper 2001

Theater

Die Jury tagt. Uraufführung: Hans-Otto-Theater Potsdam, 2./3. 10. 2020

Anthologien (Auswahl)

Wir. Heute. Gestern. Hier. Piper 2020
LIES! Das Buch. Piper 2020
Im Zwiegespräch mit Volker Braun. Lehmstedt 2015
Über Grenzen. Wallstein 2015
Die beste Buchhandlung der Welt. bup 2012
Hotel Europa. Heidelberg: Wunderhorn 2012
Die Reise meines Lebens. Hamburg: Corso 2012
Poesie und Stille. Schriftstellerinnen schreiben in Klöstern. Wallstein 2009
Das neue Deutschland. Berlin: Aufbau 2003
Beste deutsche Erzähler. München: DVA 2002

Preise / Stipendien als Autorin

2020 Kunststipendium des Landes Brandenburg
2015 Aufenthaltsstipendium in der Villa M. Yourcenar – Centre départemental de résidence d’écrivains européens (Frankreich)
2013 Kunst-Förderpreis des Landes Brandenburg
2011 Aufenthaltsstip. der Deutschen Akademie Rom für die Casa Baldi
2008 Kunstpreis Literatur der Brandenburg Lotto GmbH
2008 Aufenth.stip. der Deutschen Akademie Rom im Deutschen Studienzentrum Venedig
2007 Stadtschreiberin von Rheinsberg
2006 Stadtschreiberin von Dresden
2007/08 Stipendium aus dem Else-Heiliger-Fonds der K.-Adenauer-Stiftung
2006 Stipendium des Deutschen Literaturfonds
2005 Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt
2003 Förderpreis des Droste-Hülshoff Literaturpreises
2002 Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg

Übersetzungen

Eliette Abécassis: Mit uns wäre es anders gewesen. Arche Literatur Verlag: 2021
Victoria Mas: Die Tanzenden. Piper: 2020
Frédéric Beigbeder: Endlos leben. Piper: 2018
Isabelle Eberhardt: Meine algerischen Tagebücher 1900-1903 (mit einem Vorwort). Edition Erdmann: 2018
Maryam Madjidi: Ich springe, du fällst. Aufbau/Blumenbar: 2018
Eugène Dabit: Petit-Louis (mit einem Nachwort). Schöffling & Co: 2018
Antoine de Saint-Exupéry: Bekenntnis einer Freundschaft. Suhrkamp/Insel, Berlin: 2016
Daniel Anselme: Adieu Paris (mit einem Nachwort). Arche Literatur Verlag, Hamburg: 2015
Eugène Dabit: Hotel du Nord (mit einem Nachwort). Schöffling & Co, Frankfurt: 2015
Georges Hyvernaud: Karl. Sinn & Form, Heft 2/2015
Georges Hyvernaud: Anonymität. Sinn & Form, Heft 5/2013
Georges Hyvernaud: Haut und Knochen. Suhrkamp, Berlin: 2010
Georges Hyvernaud: Der Viehwaggon (mit einem Nachwort). Suhrkamp, Berlin: 2007
Fred Vargas: Das Zeichen des Widders. Aufbau-Verlag, Berlin: 2008
Fred Vargas: Die schwarzen Wasser der Seine. Aufbau-Verlag, Berlin: 2007
Fred Vargas: Die dritte Jungfrau. Aufbau-Verlag, Berlin: 2007
Fred Vargas: Der vierzehnte Stein. Aufbau-Verlag, Berlin: 2005

Preise/ Stipendien als Übersetzerin

2017 Förderung aus dem Elmar-Tophoven-Mobilitätsfonds
2014/ 2016 Johann-Joachim-Christoph-Bode-Stipendium (als Mentorin)
2010 André-Gide-Preis der DVA-Stiftung für deutsch-französische Literaturübersetzungen
2005 Stipendium für Französisch-Übersetzer (Paris/ Arles)
2005 Stipendiatin des Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms
2004 Aufenthaltsstipendium im Übersetzerkollegium Straelen
2004 Stefan-George-Preis für Übersetzer französischer Literatur