Lara Koch und Tamina Hägler sind junge Autorinnen, die in der Literaturwerkstatt des Jugendkulturzentrums Gladhouse beheimatet sind. Sie lesen u.a. Texte aus der aktuellen Anthologie Mitten in diesem rasenden Chaos finde ich mich wieder sowie Texte, die im Rahmen des Lausitz Festivals in einer „Spoken Words“-Workshopreihe entstanden sind.

Lara Koch: Ich bin 15 Jahre und wurde in Cottbus geboren. Neben meinen kommenden Prüfungen und den Spinnen in meiner Zimmerecke beschäftige ich mich gerne mit Kunst und Literatur. Vor allem, mit anderen über kritische Themen in Kontakt treten, ist etwas, woran ich in letzter Zeit viel Freude gefunden habe. Sollte ich die Spinnen aus der Zimmerecke überleben, setzte ich alles daran, dass Literatur ein fester Bestand meines Alltags und meiner kommenden Arbeitswelt wird.

Tamina Hägler: Ich bin 17 Jahre alt und vor neun Jahren nach Cottbus gezogen. Genauso wie mein Leben oft chaotisch ist, sind auch meine Texte vielfältig und unberechenbar – wie Aprilwetter. Ich verliere mich gerne in durch Wörter geschaffenen Welten oder auch den Gedankengängen anderer, wenn sie diese mit mir teilen. Literatur ist für mich ein Tor zur Selbstverwirklichung, hinter welchem alles möglich ist. Doch auch ansonsten habe ich ordentlich zu tun, da ich gerade mein Abitur mache und immer nach neuer Inspiration suche.

Bibliographie

• „Mitten in diesem rasenden Chaos finde ich mich wieder. Texte und Bilder von jungen Menschen“; in der 20. Schüleranthologie werden Preisträgertexte des 17. Literaturwettbewerbes und ausgewählte Texte von Autor*innen der Literaturwerkstatt sowie Illustrationen von jungen Cottbuser Künstler*innen veröffentlicht. 2021
• „Neue Wege. Visionen junger Menschen“; in 27 Texten denken junge Autoren in Lyrik und Prosa über die Zukunft nach. 2020. Erhältlich in der Literaturwerkstatt • „Eff.i19“; junge Frauen der Gegenwart, ihre Möglichkeiten und Konflikte beschreibt diese Anthologie junger Brandenburger Schreibgruppen, eine davon die Cottbuser Goldfedern der Literaturwerkstatt. Herausgeber: Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V. Erhältlich in der Literaturwerkstatt • „Streben nach Flügeln. Texte und Bilder junger Menschen.“; 19. Schüleranthologie mit Preisträgertexten des Literaturwettbewerbes der Stadt Cottbus. 2017. Erhältlich in der Literaturwerkstatt

Textprobe

Ikarus

Ich falle,
Ich falle warm und leicht,
mit Freude in der Brust,
durch einen Vergiss-mein-nicht-blauen Himmel.

Mein Atem ist schnell und heiß, hektisch, lebendig,
während meine Locken in der Sonne glühen wie gedrehtes Gold.

Meine Glieder sind weit von mir gestreckt, als würde ich den
heißen Wind, der an meinen Kleidern zerrt, umarmen wollen.

Ich falle mit dem Blick hin zu den perlenweißen Wolken,
während mir helle Federn durch die Finger gleiten. Über mir
tanzen sie und fliegen freudig, so wie ich es tat.

Ich falle und meine Gedanken begreifen den Fall nicht.
Sie wischen das schwindelerregende Gefühl
in meiner Magengrube fort und öffnen mir die Augen
für die Schönheit des Moments.

Ich falle mit schweißnasser, vor Erregung geröteter Haut,
mit goldenen Locken, die darauf haften.
Ich falle mit leicht geöffneten Lippen und jauchze,
während der Wind an meinen Kleidern reißt.

Ich falle mit glänzenden Augen, in denen sich der Vergiss-
mein-nicht-blaue Himmel und die warme Sonne spiegeln.

Ich falle in einer Wolke weicher, heller Federn, die mich sanft
streifen und sich von mir verabschieden.

Ich falle heiß und schön, wie ein Komet.
Und zerschelle auf dem kalten, dunklen Meer.

Tamina Hägler

 

Schließlich fand mein Blick, was er suchte.
Ich blickte direkt hinein in ihre braunen Augen, die mit den goldenen Punkten und dem Ausdruck von Freude. Ihre Augen schienen damit überzulaufen und ich war mir sicher, dass sie auch übergelaufen wären, wenn Freude Wasser wäre und ihre Augen ein Eimer.
,,Lass uns spazieren gehen.” Die Seifenblasen, welche diese Worte zu mir trugen, waren golden und sahen cremig aus, genauso wie ihre Stimme klang. Ich konnte nur nicken und schon wieder veränderte sich die Zeitwahrnehmung für mich.
So als würde ein Kameramann an den Zeiten drehen und sich nicht einig werden, ob diese Szene nun im Zeitraffer oder doch in Zeitlupe sein sollte.
Denn so schnell, wie die Zeitlupe kam, in welcher sie mir ihre Hand reichte, so schnell ging sie auch wieder und ließ sich von einem Zeitraffer verdrängen, welcher so schnell war, dass von dem ganzen Tag nur noch ein leichter, honigsüßer Geschmack im Mund blieb und das Glänzen in den Augen, wo jedermann Sorge haben würde, die Augen würden überlaufen vor Freude.

Lara Koch